Das hält der OB nur "blau" aus

Kurpfälzer Fasnachtszug im Wetterglück: Traditionsvereine und gut umgesetzte Ideen sorgen für Spaß bei den Besuchern

Von unserem Redaktionsmitglied Jürgen Gruler

Uff! Das ging gerade noch mal gut. Der gut zweistündige 54. "Kurpfälzer Fasnachtszug" kam gestern Nachmittag mit nur kurzen Tröpfel-Episoden weitgehend trocken durch. Noch eine halbe Stunde vor dem Start war die Stadt wie ausgestorben, lediglich in Zugkneipen wie der "Alten Pfalz" war Stimmung bei Schlagerwelle angesagt. Aber dann kamen die Schwetzinger aus ihren Löchern, schunkelten sich unter Vordächern warm und begrüßten die Narren mit vielstimmigem "Ahoi".

35 000 Besucher schätzten die Veranstalter. Und wider Willen gab es an der Ehrentribüne am Lutherhaus einen neuen witzig-bissigen Kommentator: SZ-Kollege Andreas Lin war kurzfristig eingesprungen, weil Stammsprecher Powik am Arbeitsplatz festgehalten worden war. Er wusste viel über Gruppen, Ehrentribüne und Zughintergründe. Offensichtlich "blau" war dort OB Bernd Junker samt Gattin. Zumindest auf dem Kopf mit gefärbtem Scheitel. Nur einer kaufte ihm den Schneid noch ab: Stadtrat Oliver Völker kam mit Afro-Perücke.

Schwetzingen ist im Reigen der Fasnachtszüge der mit den meisten Karnevalsvereinen. Die Frösche aus St. Ilgen, die Astoria Störche aus Walldorf, das Mannheimer Traditioncorps (eine Marketenderin hatte den "Narrensamen" aus der letzten Saison schlafend im Bollerwagen dabei), die Eppelheimer, Oftersheimer, Narhalla Ketsch, CC Blau-Weiss und Carneval-Gesellschaft Hockenheim, Göggel und Kollerkrotten aus Brühl und die heimische SCG boten große Formationen auf.
Schöne Ideen umgesetzt

Dazwischen einfallsreiche Wagen und Fußgruppen, Spielmannszüge und Guggenmusiken. Zu nennen sind bei den Wagen die aufwändige Dampflok der "Altlossener Bagaasch", die großen Eindruck machte, der Reitverein mit seinem "Fluch der Karibik"-Piratenboot, der Panzerknacker-Wagen der Alten Gausianer, die TSG Ketsch in ihren alten Klamotten oder die Eisbären und die heiratswilligen Bauern von der Landjugend. Lustig auch die Flugzeug-Idee "Vom Herrenteich hinter die Berge" und die beiden Chinesen-Wagen von Fides und vom BKA.

Schön, dass es auch zwei echte Schwetzinger Motive zu bewundern gab. So hatte sich das Team vom Schloss-Restaurant viel Mühe gemacht und das Thema Weltkulturerbe mit prallem Rokoko-Leben erfüllt. Und Sängerbund und Liederkranz nahmen sich die Mannheimer Straße vor: "Nur Brillen, Frisör und Döner machen keine Innenstadt schöner", skandierten sie den Stadtoberen ins Buch. Recht haben sie!

Apropos Frisör: Das Thema Werbung im Zug ist schon heikel. Da gibt es an sich schöne Fußgruppen: Frisör Bergmann setzt beispielsweise die Haarpracht und Mode des letzten Jahrhunderts schön kostümiert um. Und die Damen von Nails 2000 kommen als Katzen und singen (der Mezzosopran machte jeder Guggenmusik Ehre) "Wir haben die Nägel schön . . ." Aber dann das Werbeplakat!? Da wäre weniger mehr gewesen. Nicht entmutigen lassen, dazulernen, wieder mitmachen.

Bleibt noch ein Wort zur Musik zu sagen: Ein Wagen wie der Durstlöschzug, der nur Krach macht, disqualifiziert sich selbst. Die Guggenmusiken haben ihren Raum gefunden und machen viel Freude und die Fanfaren- und Spielmannszüge würzen durch ihr Können den Zug. Die Motivwagen der "jungen Gruppen" sollten bei ihrer Musikauswahl das Thema im Blick behalten. Beispielhaft waren da das BKA mit dem Song "Drei Chinesen mit dem Kontrabass" oder die AGAA, die einen eigenen Song ("Wir sind böse") zum Panzerknackerimage beisteuerten.

Schade, dass die Zahl der Fußgruppen abnimmt. Die Leimbachstelzen mit ihren Themenkostümen, die Jubiläums-Hunnengruppe oder die schöne Brauchtumsgruppe der "Buzzelhexen" tun so einem Zug gut.

(c) Schwetzinger Zeitung - 06. Februar 2008

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Unser Song heißt übrings

Unser Song heißt übrings nicht "Wir sind böse", sondern einfach "Duck Tales". "Wir sind böse" ist eine Zeile im Text. :-) Und es gibt noch einen zweiten Song, der "Love, Peace & AGAA" heißt und unter anderem in Altlußheim in der Halle beim Rosenmontagsball lief. Daher an dieser Stelle nochmals vielen Dank an den DJ in Altlußheim!!!